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Der Tagesspiegel, 30.April/Montag, 1. Mai 2000

Monella Caspar

Foto: Schirmeyer

Wilde Seide für Angela Merkel

Die singende Schneiderin Monella kleidet Bonnerinnen

Die schrille Diva Romy Haag geht wehenden Rockes ein und aus in Monellas 20 Jahre alter Modeboutique in der Ludwigkirchstraße. Gleich vis-a-vis sitzt Gitte Henning im Cafè "Manzini". In ihrer Ente fährt winkend die Thalbach vorbei. "Das ist wie im Dorf hier", flötet Monalla. Die hellblau geschminkte Schneiderin, die seit Jahren an ihrer Schlagerkarriere bastelt und am 1. Mai auf der Bühne des Tränenpalastes stehen wird, sitzt in der Mittagssonne an ihrem weiß gedeckten Tischlein auf dem Trottoir vor ihrem Lädchen "Wilmers-Dorf". Für ihren Kiez zwischen Fasanenplatz und Ludwigkirchplatz puzt sich die exalzierte, zierliche Monella mit ihren Turbanhüten und ausgewählten Tüchern zur Straßen-Sensation heraus. Im Minutentakt passiert halb Wilmersdorf, Schauspielerinnen und Yuppies mit Arbeitsanzug und Handy. Monella genießt ihren täglichen Open Air Auftritt: Hier ein Schwätzchen, da ein Küsschen, dort ein Tratschchen.

Das betagte Girlie erfreut sich größter Beliebtheit in der Ludwigkirch-La-Strada. La dolce vita hat Monella einst als Komparsin bei Fellini gelernt. Nun bringt sie mit ihren Outdoor-Dinners italienisches Ambiente in den Kiez, Straßenfeste feiert sie seit 20 Jahren. Wenn Partyfee Britt Kanja, Monellas beste Freundin, mit ihrem Roller vorbeikurvt, erinnern die beiden an Finkenfigürchen aus Porzellan.

Plötzlich rollt eine schwarze Limousine mit getönten Scheiben heran. Ein Ehepaar aus Scharpings Verteidigungsministerium entsteigt dem Wagen. Seit Monella im "Merian" als Geheimtipp für hippe Damengarderobe gehandelt wird, kleiden sich Bonnerinnen bei Monella ein. Vorsichtig lugen die Neuankömmlinge in den mit Stoffrosen bekränzten Laden. "Die staunen mich an, wie ein elfenhaftes Wesen."

Allmählich rücken die Bonner der Szene-Diva näher. Drei Termine mit Stilberatung folgen, die Bonnerin bekommt ein silbernes Kostüm (Wildseide) und bestellt einen Monat später dasselbe in Pink. Für eine Amtsrätin aus dem Kriesenzentrum schneidert sie ein Jäckchen, eine SPD-Vorstandsfrau bekommt ein Hütchen. "Meine Mose ist überparteilich", sagt sie und träumt von einer Stilberatung für Angela Merkel: "Trotz ihrer Rundlichkeit rate ich ihr ein leicht tailliertes, aber strenges Jäckchen aus wilder Seide. Hätte Frau Thoben meine Roben getragen", spekuliert Monella, "wäre sie heute noch im Amt."

Beschwingt verläßt das Paar aus der Verteidigung die Boutique. Monella hat alle Berührungsängste mit flotten Schnitten und Fingerhutgefühl vom Tisch geschneidert. Zum Abschied reicht die singende Modedesignerin dem Paar zwei Tränenpalast-Tickets samt CD "Lulanalu" in die Limousine.

Guido Schirmeyer


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