|
Die schrille Diva Romy Haag
geht wehenden Rockes ein und aus in Monellas 20 Jahre alter Modeboutique in
der Ludwigkirchstraße. Gleich vis-a-vis sitzt Gitte Henning im Cafè
"Manzini". In ihrer Ente fährt winkend die Thalbach vorbei.
"Das ist wie im Dorf hier", flötet Monalla. Die hellblau geschminkte
Schneiderin, die seit Jahren an ihrer Schlagerkarriere bastelt und am 1. Mai
auf der Bühne des Tränenpalastes stehen wird, sitzt in der Mittagssonne
an ihrem weiß gedeckten Tischlein auf dem Trottoir vor ihrem Lädchen
"Wilmers-Dorf". Für ihren Kiez zwischen Fasanenplatz und Ludwigkirchplatz
puzt sich die exalzierte, zierliche Monella mit ihren Turbanhüten und
ausgewählten Tüchern zur Straßen-Sensation heraus. Im Minutentakt
passiert halb Wilmersdorf, Schauspielerinnen und Yuppies mit Arbeitsanzug und
Handy. Monella genießt ihren täglichen Open Air Auftritt: Hier ein
Schwätzchen, da ein Küsschen, dort ein Tratschchen. |
|
Das betagte Girlie erfreut sich größter
Beliebtheit in der Ludwigkirch-La-Strada. La dolce vita hat Monella einst als
Komparsin bei Fellini gelernt. Nun bringt sie mit ihren Outdoor-Dinners italienisches
Ambiente in den Kiez, Straßenfeste feiert sie seit 20 Jahren. Wenn Partyfee
Britt Kanja, Monellas beste Freundin, mit ihrem Roller vorbeikurvt, erinnern
die beiden an Finkenfigürchen aus Porzellan. |
|
Plötzlich rollt eine schwarze Limousine mit
getönten Scheiben heran. Ein Ehepaar aus Scharpings Verteidigungsministerium
entsteigt dem Wagen. Seit Monella im "Merian" als Geheimtipp für
hippe Damengarderobe gehandelt wird, kleiden sich Bonnerinnen bei Monella ein.
Vorsichtig lugen die Neuankömmlinge in den mit Stoffrosen bekränzten
Laden. "Die staunen mich an, wie ein elfenhaftes Wesen." |
|
Allmählich rücken
die Bonner der Szene-Diva näher. Drei Termine mit Stilberatung folgen,
die Bonnerin bekommt ein silbernes Kostüm (Wildseide) und bestellt einen
Monat später dasselbe in Pink. Für eine Amtsrätin aus dem Kriesenzentrum
schneidert sie ein Jäckchen, eine SPD-Vorstandsfrau bekommt ein Hütchen.
"Meine Mose ist überparteilich", sagt sie und träumt von
einer Stilberatung für Angela Merkel: "Trotz ihrer Rundlichkeit rate
ich ihr ein leicht tailliertes, aber strenges Jäckchen aus wilder Seide.
Hätte Frau Thoben meine Roben getragen", spekuliert Monella, "wäre
sie heute noch im Amt." |
|
Beschwingt verläßt
das Paar aus der Verteidigung die Boutique. Monella hat alle Berührungsängste
mit flotten Schnitten und Fingerhutgefühl vom Tisch geschneidert. Zum
Abschied reicht die singende Modedesignerin dem Paar zwei Tränenpalast-Tickets
samt CD "Lulanalu" in die Limousine. |
|
Guido
Schirmeyer |
|